Future ante portas – Die Digitalisierung der deutschen Baubranche – Gut aufgestellt im Baubetrieb

Future ante portas – Die Digitalisierung der deutschen Baubranche

KI-Systeme, BIM, das Internet of Things und unzählige weitere intelligente Anwendungen und Helfer optimieren viele Aufgabenbereiche durch automatisierte Prozesse. Die Digitalisierung kommt! Oder, besser gesagt: Sie ist schon da und fest in unseren Alltag integriert. Die Baubranche profitiert von den neuesten und konstant weiterentwickelten Innovationen auf diesem Gebiet. Aber wie ist Deutschland in Sachen Digitalisierung des Bauwesens generell aufgestellt und wieso kann es von anderen Ländern lernen?

Deutschland im internationalen Vergleich

Die Vorteile von BIM, KI etc. wurden bereits mehrfach geklärt. Es stellt sich also folgende Frage: Wieso hinkt Deutschland in der Digitalisierung der Baubranche hinterher? Ein Blick auf Länder wie Norwegen oder die USA zeigt, dass die digitale Transformation im Bauwesen hohes Potenzial für Bauprojekte bereithält. Deutschland hingegen investiert so wenig in digitale Technologien, dass die Ausgaben statistisch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in seinen Standardreports nicht einmal erfasst werden.       

Ein Grund für diese Verzögerung dürfte die Gewöhnung an analoge Verfahren sein, die der Baubranche in den letzten Jahrzehnten gute Dienste geleistet hat. Bewährte Prozesse hindern alteingesessene Unternehmen daran, sich entsprechenden Innovationen gegenüber zu öffnen. 

BIM funktioniert

Fatal ist das Ganze trotzdem nicht, wie aktuelle Studien zur BIM-Nutzung in Deutschland zeigen: Immerhin wird die Methode in Deutschland seit 2017 für Projekte mit einem Volumen von über 100 Millionen Euro gesetzlich vorgeschrieben. 70 % der Bauunternehmen nutzen BIM – in der Regel auf Stufe 2, welche eine fortgeschrittene digitalisierte Zusammenarbeit beschreibt. Das bedeutet, dass vor allem große Unternehmen BIM nutzen, während etwa kleine Planungsbüros oder Baubetriebe kaum darauf zugreifen.

Seit 2020 schließlich ist BIM für öffentliche Projekte in Bundesinfrastruktur oder infrastrukturrelevanten Gebäuden verpflichtend.

Ein nächster Schritt wäre eine flächendeckende Nutzung des BIM-Levels 3, welches eine digitalisierte Zusammenarbeit von Architekten und Ingenieuren über Bauunternehmer bis zu Gebäudeeigentümer mit den gleichen BIM-Modellen vorsieht, wie sie teils schon in Großbritannien zu beobachten ist. Außerdem müsste BIM auch für Projekte mit einem niedrigeren Budget ganz selbstverständlich und gewissermaßen verpflichtend werden, um kleinere Unternehmen an das Thema heranzuführen und so eine konstante Nutzung und Digitalisierung zu gewährleisten.

KI-Skepsis

Der Einsatz von KI im aktiven Bauprozess ist eine weitere Thematik, die Klärung bedarf. Gebiete wie Asien und USA haben hier aktuell die Nase vorne. Deutschland hingegen zögert bei der umfassenden KI-Nutzung. Das liegt mitunter an der deutschen Sensibilität gegenüber Themen wie Datenschutz und Ethik, die vollständig geklärt sein müssen, bevor KI zum Einsatz kommt – genauso wie die Bereiche Sicherheit und Gesundheitsschutz. Es muss Klarheit darüber bestehen, dass durch die KI keine Überwachung stattfinden soll, sondern dass sie Sicherheit und Effizienz fördert. Dass Science-Fiction-Narrative wie „I, Robot“ oder „Matrix“ mögliche Konsequenzen für die leichtsinnige Nutzung von KI behandeln, ist hier natürlich wenig hilfreich. Ein großes ABER muss an dieser Stelle ausgesprochen werden: Solange sich die Menschen ihrer Kontrolle über die Maschinen bewusst sind, besteht keine Gefahr – auch Automationsprozesse müssen stetig kontrolliert werden.

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht         

Die Digitalisierung ist kein Trend, keine Phase, die vorübergeht und an die in fünf Jahren niemand mehr denken wird. Digitalisierung ist schon da und in den Alltag integriert. Für die Bauwirtschaft bedeutet das einen kulturellen Wandel, der über die Anpassung technologischer Aspekte weit hinausgeht, die bereits optimal ausgearbeitet sind. Im Fokus steht der mentale Wandel, der noch erfolgreich vollzogen werden muss. Standardisierungen sind das A und O, um auf gesetzlicher und persönlicher Ebene entsprechenden Anklang zu finden. Es liegt also zum einen an der neuen Regierung, hier die nötigen Schritte zu unternehmen, um staatliche Rahmenbedingungen zu schaffen und Zuschüsse zu gewähren, damit auch mittelständische Unternehmen Digitalisierungsmaßnahmen nutzen können. Andererseits ist es die Aufgabe der Unternehmen, sich entsprechend mental zu wandeln und auch ihre Mitarbeiter auf kommunikativer Ebene zu involvieren. Nur so kann die Digitalisierung des Bauwesens voranschreiten und Deutschland internationalen Markterfolg sichern.

Ansatzpunkte für die zielgerichtete Weiterentwicklung Ihrer Digitalisierungsstrategie im Baubetrieb finden Sie auf www.brz.eu/de.

Lesetipp:

BIM, Drohnen und Ethik: KI-Lösungen für die Baubranche – Fraunhofer IAO

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