Die monatliche Berechnung des Baulohns gehört in Deutschland zu den kompliziertesten Formen der Lohnabrechnung. Ständige gesetzliche und tarifliche Änderungen machen es beinahe unmöglich den Überblick zu behalten.
Umso wichtiger ist es, das Steuer- und Sozialversicherungsrecht für Baubetriebe zu kennen, um nicht bereits an den zentralen kaufmännischen Anforderungen an Ihren Baubetrieb zu scheitern. Es ist also wichtig zu wissen, wie das Steuer- und Sozialversicherungssystem in Deutschland funktioniert und welche Besonderheiten für Sie als Bauunternehmer von zentraler Bedeutung sind.
Kurz und knapp: Durch die Komplexität des Baulohns ist es von entscheidender Bedeutung, bereits die Grundlagen des Steuer- und Sozialversicherungsrechts genau zu kennen.
Ganz allgemein formuliert kann man sagen, dass Steuern Geldleistungen an den Staat sind, die an keine konkreten Gegenleistungen gebunden sind. Sozialversicherungsbeiträge dagegen sind Geldleistungen des Einzelnen für die Nutzung einer Leistung.
Das generelle Steueraufkommen der BRD setzt sich zusammen aus den in einem bestimmten Zeitraum eingegangenen Steuern von Bund, Ländern und Gemeinden.
Mit knapp 36 % Anteil am Steueraufkommen ist die Einkommenssteuer die wichtigste Einnahmequelle des deutschen Staates. Ein wesentlicher Teil der Einkommenssteuer ist dabei der Lohnsteuerabzug oder auch kurz: die Lohnsteuer.
Der Lohnsteuerabzug wird rechtlich nach den Grundsätzen des §39b EStG erfolgen. Grundlage zur Berechnung können dabei unterschiedliche Berechnungsvorschriften sein:
Die Lohnsteuer erfolgt als Abzug vom Arbeitslohn (§38 EStG). Wichtig: Arbeitslohn sind alle Einnahmen, die dem Arbeitnehmer durch ein Beschäftigungsverhältnis gewährt werden. Also auch Sachbezüge, wie beispielsweise die Nutzung eines Firmenwagens. Des Weiteren zählen zum Arbeitslohn:
Die Höhe der zu zahlenden Lohnsteuer wird in Deutschland durch unterschiedliche Steuerklassen berechnet. Die Steuerklasse des Arbeitnehmers ist die Grundlage für den Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber.
Insgesamt gibt es 6 verschiedene Steuerklassen:
Der tatsächlich abzuführende Betrag der Lohnsteuer wird dann für die jeweiligen Steuerklassen durch die Steuerformel nach §39b EStG berechnet.
Die wichtigsten Bestandteile der Steuerformel sind:
Wichtig: Alle Angaben beziehen sich auf den Stand 2017
Das Sozialversicherungssystem setzt sich aus unterschiedlichen Beiträgen zusammen:
Alle Versicherungen, bis auf die Unfallversicherung, sind vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanziert. Die Kosten für die Unfallversicherung trägt der Arbeitgeber alleine. Im Gegensatz zur Lohnsteuer, die wie beschrieben als Abzug vom Arbeitslohn festgeschrieben wird, werden die Sozialversicherungsbeiträge vom Arbeitsentgelt abgezogen.
Wichtig: Der steuerrechtliche Begriff des Arbeitslohns unterscheidet sich vom sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelt.
Generell gilt im Sozialversicherungssystem das Entstehungsprinzip. Beiträge werden fällig, sobald ein Anspruch entstanden ist (§ 22 SGB IV). Ein Sonderfall stellen Einmalzahlungen dar. Hier gilt das Zuflussprinzip.
Wie genau werden die einzelnen Beiträge denn nun berechnet? Anhand welcher Grundlagen wird ihre Höhe ermittelt? Die wichtigsten Faktoren zur Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge sind:
Die aktuellen Beitragsbemessungsgrenzen gestalten sich folgendermaßen.
Für die alten Bundesländer
Für die neuen Bundesländer
Wichtig: Überschreitet das normale Arbeitsentgelt die jeweilige
Beitragsbemessungsgrenze, dann werden die Sozialversicherungs-
beiträge nur bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze erhoben.
Prozentual setzen sich die verschiedenen Versicherungsbeiträge im Jahre 2017 wie folgt zusammen:
Direkt bei Beginn einer versicherungspflichtigen Tätigkeit muss der Arbeitnehmer einer Beitragsgruppe zugeordnet werden. Die genaue Festlegung der Sozialversicherungsbeiträge eines Arbeitnehmers erfolgt über den 4-stelligen Beitragsgruppenschlüssel.
Die 4 Stellen des Beitragsgruppenschlüssels legen die Beitragsgruppe für die jeweilige Versicherung fest.
Arbeitnehmer und Angestellte deren Verdienst die Jahresentgeltgrenze übersteigt, können sich entscheiden, ob sie sich gesetzlich oder privat krankenversichern. Aktuell (Stand 2017) beträgt die Jahresarbeitsentgeltgrenze in allen Bundesländern 57.600 €. Die Berechnung, ob die Jahresarbeitsentgeltgrenze überschritten wird, ist jeweils bei Beginn einer Beschäftigung und jeweils erneut zum 1. Januar vorzunehmen.
Neben den Grundlagen der Steuern und Sozialversicherungen sind die sogenannten Sonderzahlungen ein weiterer wesentlicher Punkt, den es im Kontext der Lohnabrechnungen zu beachten gilt.
Was müssen Sie bei Sonderzahlungen im Konkreten beachten? Was gilt es über die unterschiedlichen Formen zu wissen? Was genau sind Sonderzahlungen?
Unter Sonderzahlungen versteht man Vergütungen, die nicht zum laufenden Arbeitslohn gehören. Sie werden als einmalige Zahlung, meist aus einem besonderen Anlass heraus gewährt. Es wird prinzipiell unterschieden, ob durch die zusätzliche Leistung die Betriebstreue des Mitarbeiters, die Arbeitsleistung, oder beides belohnt werden soll.
Mögliche Formen von Sonderzahlungen:
Für die steuerliche Berechnung ist nun wichtig, dass in dem Monat der Zahlung zwei getrennte Lohnsteuerberechnungen erfolgen müssen:
Für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge ist eine etwas andere Vorgehensweise notwendig, als für die steuerliche Berechnung. Tritt die Besonderheit auf, dass Arbeitslohn und Sonderzahlung gemeinsam über den jeweiligen Beitragsbemessungsgrenzen liegen, gilt folgendes Verfahren:
Einmalige Sonderzahlungen müssen in den Monaten Januar bis März, sofern sie die anteilige Jahresbeitragsbemessungsgrenze überschreiten, dem Entgeltabrechnungszeitraums des Vorjahres zugeordnet werden. Entsprechend gelten dann auch die Beitragssätze und die Beitragsbemessungsgrenzen des jeweiligen Vorjahres.
Wichtig: Es ist zu beachten, ob es sich um einen kranken-
versicherungspflichtigen Arbeitnehmer handelt oder um einen
krankenversicherungsfreien Arbeitnehmer.
Die Beitragsbemessungsgrenze krankenversicherter Arbeitnehmer ist die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung. Wohingegen die Beitragsbemessungsgrenze krankenversicherungsfreier Arbeitnehmer die Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung ist.
Neben den einmaligen Sonderzahlungen gibt es weitere besondere Entgeltarten, geregelt nach §3b des Einkommenssteuergesetzes:
Zuschläge sind steuerfrei, wenn sie für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit neben dem Grundlohn gezahlt werden, sofern sie bestimmte Werte nicht übersteigen.
Zuschläge sind steuerfrei, wenn sie für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit max. bis 50,00 € vom Grundlohn gezahlt werden.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Frage, wie genau sich der Grundlohn zusammensetzt? Prinzipiell lässt sich der Grundlohn beschreiben als der laufende lohnsteuerpflichtige Arbeitslohn, der dem Arbeitnehmer, bei wöchentlicher Arbeitszeit, vervielfacht mit dem Faktor 4,35 für den jeweiligen Entgeltzeitraum zusteht. Zum Grundlohn gehören neben dem Stundenlohn noch folgende Lohnbestandteile:
Nicht zum Grundlohn gehören:
Dies sind soweit die wesentlichen Grundlagen des Steuer- und Sozialversicherungssystems, die wie anfangs erwähnt, unverzichtbar sind für die Erstellung von Baulohnabrechnungen. Zur Vertiefung und weiteren Einführung bietet BRZ zwei spezielle Web-Seminare an, die das Steuer- und Sozialversicherungsrecht anhand konkreter Rechenbeispiele verständlich besprechen.
Wer bei der Erstellung und Berechnung des Baulohns auf der Suche nach konkreter Hilfe ist, kann sich mit der Baulohn-Software von BRZ eine sichere und stets aktuelle Unterstützung für das eigene Lohnbüro sichern. Mit BRZ-Baulohn-Connect führt Sie unser Abrechnungsassistent einfach und sicher Schritt für Schritt durch die Baulohnabrechnung.
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Ihr Michael Hennig